Computerschach

Mit keinem anderen Spiel beschäftigt sich die Menschheit so ausgiebig, wie mit dem königlichen Vergnügen Schach. Wer dieses Spiel perfekt beherrschen will, muß neben viel Übung auch über ein entsprechendes Genie verfügen. Was liegt also näher, den geliebten Computer zu Rate zu ziehen. Doch längst sind die elektronischen Schachspieler dem Menschen überlegen. Wir sagen Ihnen warum.

Schon seit über 200 Jahren versuchen Wissenschaftler hinter das Geheimnis des Schachspielens mittels einer Maschine zu kommen. Die ersten Apparate konnten dabei nicht einmal selbst einen Zug setzten, sondern hatten in ihrem Inneren einen Menschen, der das Spielen übernahm. In den frühen Jahren des Computers mußte auf einen einfachen Zug zum Teil Stunden gewartet werden. Erst mit dem Einzug leistungsstarker Rechner und dem Voranschreiten der Schachtheorie konnten die ersten guten Ergebnisse erzielt werden. Immer leistungsstärker präsentieren sich die heutigen Schachspiele. In schöner Regelmäßigkeit kommen immer wieder neue Varianten auf den Markt. Dabei bieten die Spiele eine Fülle an Extras, die schon lange über das bloße Figurenziehen hinausgehen. Detailreiche Animationen, unterschiedliche Sichten und umfangreiche Eröffnungsbibliotheken bringen Ihnen eine ungeahnte Vielfalt beim Spielen.

Computerschach – der Rechner denkt mit

Normalerweise denkt ein Computer nicht, sondern setzt nur das um, was der Programmierer ihm beigebracht hat. Doch beim Schachspiel sieht die Sache etwas anders aus. Natürlich muß dem Rechner zunächst das Grundsätzliche beigebracht werden, doch was er daraus macht, übersteigt meist die Leistung seines Schöpfers. Da beim heutigen Standard der Programme Tausende von Rechenoperationen in Sekunden keine Seltenheit mehr sind, träumen viele Schachprogrammierer von einem Sieg über ihr eigenes System.

Doch das der Rechner selbständig aus bestimmten Situationen lernt oder sogar selbst die Initiative ergreift, liegt noch in weiter Ferne. Der Schachcomputer kann somit nur nach vorgegebenen Anweisungen eine bestimmte Lösung erzielen, jedoch wesentlich schneller als jeder Mensch in der Lage ist. Wo liegt nun die eigentliche Schwierigkeit beim Schachspiel? Das Regelwerk und das Schachbrett dem Rechner beizubringen ist heute nicht mehr das Problem. Doch das ist noch lange kein gutes Schachspiel. Die eigentliche Schwierigkeit beim Spiel als auch bei der Programmierung ist die Wahl des richtigen Zuges aus einer Fülle von Möglichkeiten. Wie bewertet man den optimalen Zug. Gäbe es eine Formel für die Berechnung im Schach, so wäre längst das Geheimnis gelüftet und jeder Weltmeister geschlagen.

Mensch kontra Maschine

Noch immer sind die besten Schachspieler dem Rechner deutlich überlegen. Zwar müssen spezielle Schachcomputer schon durch einen Großmeister oder Weltmeister in die Schranken verwiesen werden, aber bisher ist es noch nicht gelungen, die menschliche Genialität 1:1 im Rechner abzubilden. Besonders bei einfachen Schachcomputern oder den meisten Programmen müssen Sie einige Schwächen in Kauf nehmen. So erreichen Sie vertretbare Bedenkzeiten meist nur bei entsprechend niedriger Rechnertiefe. Die Qualität eines Zuges zeigt sich meist erst nach fünf bis acht Zügen. Die meisten Programme sind allerdings nur in der Lage, rund drei bis vier Züge im Voraus durchzurechnen. Besonders markant sind dabei die Schwächen eines Programmes beim Eröffnungs- und Endspiel. Viele gute Programme behelfen sich hierbei mit umfangreichen Eröffnungsbibliotheken. Allerdings ist das auch kein Garant für ein gutes Spiel. Doch wann beispielsweise ein Endspiel überhaupt beginnt, ist immer noch eines der am schwersten in Griff zu bekommenden Rätsel des Schachspieles.